Updated August 08, 2026 Von Michael Schmidt

SUP Chiemsee: Inseln, Buchten und die besten Startpunkte am Bayerischen Meer

Du bist einen Kilometer vor Gstadt, mitten auf offenem Wasser Richtung Fraueninsel, als die Oberfläche unter einer plötzlichen Böe zu kräuseln beginnt. Hinte...

Du bist einen Kilometer vor Gstadt, mitten auf offenem Wasser Richtung Fraueninsel, als die Oberfläche unter einer plötzlichen Böe zu kräuseln beginnt. Hinter dir hat sich ein Segelboot stark auf die Seite gelegt und nähert sich auf einem Kurs, den es nicht einfach verlassen kann — der Kiel braucht die ausgebaggerte Fahrrinne, nicht die Untiefen nahe am Ufer. Vor dir lässt ein weißer Rumpf mit zwei Schornsteinen ein langes Signalhorn ertönen, während er zur Anlegestelle Herreninsel schwenkt. Du stehst mittendrin auf deinem Board und merkst: Dieser See hat nichts mit dem kleinen runden Badesee gemein, auf dem du das Paddeln gelernt hast.

Das ist der Chiemsee. Mit 79,9 km² ist er der flächenmäßig größte See Bayerns — fast zehnmal so groß wie der Ammersee — und Einheimische nennen ihn nicht ohne Grund das "Bayerische Meer". Sobald man draußen ist, wird klar, warum. Die Größe verändert alles: Überfahrten, die auf der Karte kurz aussehen, dauern in Wirklichkeit deutlich länger, der Wind baut über offenem Wasser echten Seegang auf, und man teilt sich den See mit einer aktiven Fährflotte und einer der größten Segelflotten Süddeutschlands. Dieser Guide behandelt die Punkte, die vor dem Start wirklich zählen — nicht nur, wo man parkt, sondern wo man legal landen darf und wo der Schiffsverkehr zur echten Gefahr werden kann.

Anreise von München

Der Chiemsee liegt direkt an der A8 Richtung Salzburg und ist einer der unkompliziertesten Tagesausflüge zu einem großen See ab München.

Entfernung (München → Prien)ca. 87–90 km
Fahrzeitca. 1 Stunde (je nach Verkehr)
RouteA8 München–Salzburg, Ausfahrt 106 "Bernau", dann Beschilderung Richtung Prien / Chiemsee
Seegröße79,9 km², max. Tiefe 73 m, ca. 64 km Ufer
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Wo einsteigen — und für wen welcher Ort passt

Am Chiemsee gibt es fünf praktikable Startorte, und es sind wirklich unterschiedliche Reviere. Entscheide nach deinem Erfahrungslevel, nicht nur nach der Nähe zum Parkplatz.

Prien am ChiemseeFlacher, sanft abfallender Einstieg am Badeplatz Schraml und im Strandbad Prienavera — gut für Anfänger und Familien. Größter Fährhafen des Sees (Prien-Stock), also mit reger Schiffsbewegung am Steg rechnen.
Gstadt am ChiemseeDie kürzeste Überfahrt zur Fraueninsel (rund 1,5 km offenes Wasser) und ein Zentrum der Segelschulen am See. Zuverlässiger thermischer Wind — toll für erfahrene Paddler, an böigen Nachmittagen anspruchsvoll für Einsteiger.
ÜberseeBayerns längster Natursandstrand mit breiter, flacher Uferlinie. Auch bei Kite- und Windsurfschulen beliebt — morgens vor Einsetzen des Thermikwinds ist es für SUP ruhiger.
ChiemingRuhigeres, familienfreundliches Strandbad am Ostufer mit leichtem, flachem Einstieg — gute Wahl, wenn du Zeit auf dem Wasser ohne Fähr- oder Segelverkehr in der Nähe willst.
SeebruckLiegt dort, wo die Alz den See entwässert — paddle hinaus aufs offene Wasser oder flussabwärts Richtung Truchtlaching für eine völlig andere, strömungsunterstützte Route.

An den meisten Startpunkten wird nach Zeit statt pauschal abgerechnet. Die Strandbadbereiche in Prien kosten rund 3 € für bis zu sechs Stunden; der gebührenpflichtige Parkplatz in Seebruck liegt bei etwa 3 € für die ersten drei Stunden plus 1 €/Stunde (gedeckelt bei ca. 10 €/Tag), dazu ein kostenloser Ausweichparkplatz an der Abzweigung Burgham; der Parkplatz Feldwies in Übersee kostet 7 € Tagesticket. In Gstadt und Chieming laufen ufernahe Stellplätze über die Parkster-App. Teuer ist das alles nicht, aber Kleingeld oder die App solltest du dabeihaben — Kartenlesegeräte funktionieren an den kleineren Parkplätzen nicht immer zuverlässig.

Die drei Inseln: Was wirklich erlaubt ist

Herreninsel, Fraueninsel und Krautinsel liegen im nördlichen Teil des Sees eng beieinander und sind das naheliegende Ziel von Prien oder Gstadt aus — aber die Landerechte unterscheiden sich deutlich, und genau hier machen viele Besucher Fehler.

Die Fraueninsel ist die einzige der drei Inseln mit offiziellen öffentlichen Anlegestellen und das Ziel der Wahl. Es gibt ein lebendiges Dorf, einen von Cafés gesäumten Hafen und einen wirklich guten Grund, dorthin zu paddeln, der über die Insel selbst hinausgeht.

Die Krautinsel ist in Privatbesitz und für die Öffentlichkeit gesperrt — hier nicht anlegen, und "kleine Insel, schaut eh keiner hin" ist keine Einladung: Die Wasserschutzpolizei kontrolliert die Inselgruppe regelmäßig.

Die Herreninsel hat eine offizielle Fähranlegestelle, aber eingeschränkten Zugang abseits der ausgewiesenen Wege rund um das Schlossgelände — hier kann man nicht einfach überall am Ufer anlegen wie auf der Fraueninsel.

Grundsätzlich gilt: Der Chiemsee ist ein Natura-2000-Gebiet und nach der Ramsar-Konvention als EU-Vogelschutzgebiet (SPA) ausgewiesen. Seine Schilfgürtel und flachen Uferzonen sind geschützter Brut- und Rastraum für Wasservögel. Halte überall am See — nicht nur bei den Inseln — mindestens 30–50 m Abstand zu Schilfgürteln und dichter Ufervegetation, und respektiere die freiwillige winterliche Ruhezeit, die lokale Wassersportvereine einhalten. Ein pauschales gesetzliches SUP-Verbot gibt es nicht, aber die Schutzzonen sind real und gelten ganzjährig, nicht nur saisonal per Schild.

Der Schiffsverkehr, den man wirklich einplanen muss

Das ist der Teil, den generische Seen-Guides gerne auslassen — und der größte praktische Unterschied zwischen dem Chiemsee und einem kleineren bayerischen See. Die Chiemsee-Schifffahrt betreibt ganzjährig eine Fährverbindung zwischen Prien-Stock und Gstadt zur Herreninsel und Fraueninsel, im Sommer zusätzlich mit Anlegestellen in Seebruck, Chieming, Übersee und Bernau. Auf dem Wasser gelten SUP-Boards rechtlich wie Ruderboote — das heißt, du musst Kursschiffen, Berufsschiffen, Segelbooten und Fischerbooten ausweichen, nicht umgekehrt.

Die größere Gefahr ist meist von der Paddelperspektive aus unsichtbar: Segelboote, die die ausgebaggerte Fahrrinne des Sees nutzen, haben tiefen Tiefgang und können nicht einfach in flaches Wasser ausweichen, um dir aus dem Weg zu gehen. Deshalb gilt unter lokalen Seglern die Faustregel, wenn möglich mindestens 100 m Abstand zum Ufer zu halten — gerade damit Paddler und kleine Boote aus der Fahrrinne herausbleiben. Dazu kommt der zuverlässige Thermikwind des Chiemsees, ein großer Anziehungspunkt für die Segelschulen rund um Gstadt: An Nachmittagen kann auf den Überfahrten zwischen Festland und Inseln richtig viel schneller Segelverkehr unterwegs sein, den man früh erkennen muss statt spät zu reagieren.

Ausrüstungs-Tipp: Offene Überfahrten wie Gstadt–Fraueninsel belohnen eine Finne, die auf Gleiten und Spurtreue ausgelegt ist, nicht nur auf Wellenkontrolle — eine dedizierte Touring-Finne macht einen spürbaren Unterschied darin, wie geradeaus du bei Seitenwind oder Fährwellen läufst. Touring Fin US Box.

Wassertemperatur und beste Saison

Der Chiemsee wird an seinen flachen Rändern im Hochsommer spürbar warm, ist im Kern aber ein großer, tiefer Wasserkörper — plane also nach Saison, nicht nach einer einzelnen Stelle.

Mai – JuniMeist 12–16 °C, schnell steigend; Neopren- oder Trockenanzug empfohlen
Juli – AugustHochsaison, etwa 23–25 °C an der Oberfläche — angenehm auch in Badekleidung
SeptemberDie meisten Wochen noch badbar, stetig kühler werdend — ruhigeres Wasser, weniger Fähren an den Sommer-only-Stationen

Wer lieber leiht statt eigenes Equipment mitzubringen: Vor Ort gibt es unter anderem die SUP-Station am Badeplatz Schraml in Prien, das Chiemsee Surfcenter Gstadt, Parker Outdoor in Übersee sowie Verleihstationen in Chieming und Seebruck — unkomplizierte Optionen, um den See zu testen, bevor man in eigenes Equipment investiert.

Mehr dazu: Wenn dir das offene Wasser am Chiemsee noch zu anspruchsvoll erscheint, frisch zuerst die Grundlagen auf. → Stand Up Paddleboarding für Einsteiger: Alles, was du wissen musst

Sobald die Landeregeln der Inseln und die Fahrrinnen der Schifffahrt klar sind, zahlt sich die zusätzliche Planung am Chiemsee aus — lange, ungedrängte Strecken auf offenem Wasser, für die den meisten Seen im Münchner Umland schlicht der Platz fehlt. Rüste dich für die Überfahrt aus, nicht nur für die Uferlinie.

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Michael Schmidt

Eisbach Riders is a Munich-based surf and SUP brand, born at the Eisbach wave in the English Garden. We design fins, accessories, and gear for river surfers, SUP tourers, and anyone who paddles moving water — tested locally, built to last.