· Von Michael Schmidt
SUP auf dem Starnberger See: Die besten Spots, Verleih und Insider-Tipps
Es ist 18:40 Uhr an einem Werktag im Juli, und der Steg im Seebad Starnberg ist halb leer. Die Segelboote, die sich mittags noch in der Bucht drängten,...
Es ist 18:40 Uhr an einem Werktag im Juli, und der Steg im Seebad Starnberg ist halb leer. Die Segelboote, die sich mittags noch in der Bucht drängten, sind zu ihren Liegeplätzen zurückgedriftet, der Wind ist eingeschlafen, und das Wasser hat die Farbe von gebürstetem Stahl angenommen. Irgendwo hinter der Bojenlinie zeichnen sich die Alpen als grauer Streifen am Horizont ab, wenn der Dunst es zulässt. Genau auf diese Stunde warten ambitionierte Münchner Paddler – und der Starnberger See, gut zwanzig Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, ist der Ort, an dem erstaunlich viele von ihnen sie sich holen.
Der Starnberger See ist nach dem Chiemsee der zweitgrößte See Bayerns und, gemessen am Wasservolumen, einer der tiefsten – ein eiszeitlich geformter Trog, der auch im August in der Tiefe kalt bleibt. Diese Kombination aus Größe, Tiefe und Nähe zu München macht ihn zu einem völlig anderen Paddelrevier als Eisbach oder Isar: offenes Wasser, echte Distanzen, echter Bootsverkehr und echtes Wetter, das man lesen können muss. Hier ist, was du vor dem Start wissen solltest.
Anreise zum Starnberger See ab München
Der See liegt direkt südwestlich der Stadt und ist einer der unkompliziertesten Ausflüge zu offenem Wasser, den man von der Münchner Innenstadt aus machen kann – nah genug für eine Feierabend-Session, weit genug weg, um sich wie ein echter Tapetenwechsel anzufühlen.
| Entfernung ab München | Rund 25–28 km bis Starnberg, je nach Startpunkt in der Stadt |
| Fahrzeit | Etwa 25–30 Minuten über die A95, Ausfahrt Starnberg auf die A952/B2 (länger im Berufsverkehr) |
| Mit der S-Bahn | Die S6 fährt direkt von der Münchner Innenstadt nach Starnberg, im 20-Minuten-Takt, und weiter nach Possenhofen, Feldafing und Tutzing – eine wirklich praktische Option ohne Auto |
| Seefläche | 56,4 km² – rund 19,5 km lang, bis zu 4,7 km breit |
| Max. / Durchschnittstiefe | 127,8 m maximal, rund 53 m im Schnitt – sobald man von der Uferbank weg ist, wird es wirklich tief |
| Wassertemperatur | Ab Juni rund 20 °C, im Hochsommer (Ende Juli/August) Spitzenwerte von 22–24 °C; in der Tiefe das ganze Jahr über kalt |
Das Detail mit der S6 ist wichtiger, als es klingt: Weil die Linie das gesamte Westufer entlangfährt, kannst du an einem Ort starten und von einem anderen mit der Bahn zurückfahren – praktisch, wenn du eine Strecke mit dem Wind im Rücken paddeln willst, statt auf dem Rückweg dagegen anzukämpfen.
Die besten SUP-Spots am Starnberger See
Am Starnberger See gibt es zahlreiche Einstiegsstellen, aber vier stechen besonders heraus – wegen einfacher Parkplatzsituation, gutem Wasserzugang und Ausblicken, für die sich das Paddeln lohnt.
| Spot | Warum hin | Parken |
| Seebad Starnberg | Heimat des SUP Club Starnberg – Verleih, VDWS-zertifizierte Kurse und der kürzeste Fußweg von der S-Bahn zu allen Spots am See | Öffentliche Parkplätze in der Nähe, an Sommerwochenenden schnell voll |
| Possenhofen | Einstieg direkt nördlich von Schloss Possenhofen; die Stege 3 und 4 weiter südlich bieten eine größere Liegewiese zum Starten | Kostenlose Parkplätze wenige hundert Meter vom Steg 1, meist Platz vorhanden |
| Feldafing | Das Strandbad Feldafing liegt direkt gegenüber der Roseninsel – die kürzeste Überfahrt zur Insel auf dem ganzen See | Parkplatz direkt am Strandbad; kleiner Eintritt für das Badegelände (ca. 4 €) |
| Tutzing | Das Nordbad Tutzing ist der Startpunkt für die Runde um die Roseninsel von Süden aus; ruhiger als Starnberg selbst | Straßen- und Parkplatzplätze in der Nähe des Bads, mäßiger Andrang |
Possenhofen ist die Wahl der meisten Locals – hier wuchs Kaiserin Elisabeth ("Sisi") in Schloss Possenhofen auf, das Wasser vor Steg 1 ist geschützt genug für eine entspannte erste Session, und man muss sich nicht wie am Seebad Starnberg an einem Samstag im Juli um jeden Parkplatz streiten.
Bootsverkehr und Schutzzonen: Was du wissen musst
Der Starnberger See ist kein ruhiges Paddelrevier – es herrscht echter Segel- und Ausflugsschiffsverkehr, und einige Regeln existieren genau deshalb, um alle auseinanderzuhalten.
Für SUPs braucht es weder Führerschein noch Genehmigung. Bei Motorbooten sieht es anders aus: Private Motorbootzulassungen sind auf ein festes Kontingent begrenzt, die Wartezeit liegt derzeit bei über einem Jahrzehnt. Der Bootsverkehr, dem du tatsächlich begegnest, besteht daher vor allem aus Segelbooten und den Ausflugsschiffen der Bayerischen Seenschifffahrt, die auf festen Routen über den See fahren. Segelboote sollen einen Abstand von rund 100 Metern zum Ufer einhalten – genau der Streifen, in dem sich die meisten SUP-Paddler ohnehin bewegen. Trotzdem lohnt es sich, wachsam zu sein, wenn ein Segelboot mit Rückenwind aufs Ufer zusteuert.
Wichtiger für die Wahl deiner Route: Die Schilfgürtel und Flachwasserbuchten rund um den See sind ausgewiesene Schutzzonen für brütende Fische und Vögel, im Sommer mit Bojen und Schildern markiert, und für jedes Wasserfahrzeug tabu – SUPs eingeschlossen. Der Starnberger See ist ein Natura-2000-Vogelschutzgebiet und eines der wichtigsten Winterquartiere für Wasservögel im bayerischen Alpenvorland. Markierte Schilfzonen weiträumig zu umfahren ist also nicht nur Formsache, sondern macht den Unterschied zwischen einem guten Spot und einem gestörten.
Offenes Wasser, echte Distanz
Mit 19,5 km Länge belohnt der Starnberger See Paddler, die Strecke machen wollen, statt nur eine Runde ums Badegelände zu drehen. Die Überfahrt von Feldafing zur Roseninsel dauert für die meisten Paddler machbare 10–15 Minuten pro Strecke, und der offene Abschnitt zwischen Possenhofen und Tutzing bietet eine echte gerade Linie mit Wasser bis zum Horizont auf beiden Seiten. Genau hier fühlt sich ein See wie dieser anders an als ein Fluss oder eine geschützte Bucht: Es gibt genug freie Fläche, damit sich Wellen aufbauen können, und eine Finne, die auf Gleiten und Spurtreue ausgelegt ist, zahlt sich schon wenige hundert Meter vom Ufer entfernt aus.
Wind und Wetter: Vor dem Start checken
Der Starnberger See ist generell ein windschwacher See – für starke, verlässliche Thermik wie an einem echten Alpensee liegt er zu weit weg von den Bergen. Aber "generell schwach" hat zwei echte Ausnahmen, auf die man sich einstellen sollte. An klaren Hochdrucktagen baut sich im Laufe des Nachmittags ein thermisch bedingter Nordostwind auf, vor allem im nördlichen Teil des Sees, meist bis etwa 10 Knoten, gelegentlich bis zu 18. Und von Ende Juni bis Mitte August sind schnell aufziehende Nachmittagsgewitter keine Seltenheit – von Flaute zu Schaumkronen in weniger als fünfzehn Minuten. Vor einer Nachmittags-Session lohnt sich ein Blick auf die Vorhersage, und wenn sich über den Alpen im Süden eine dunkle Wolkenfront aufbaut, ist es Zeit, ans Ufer zu paddeln, nicht abzuwarten.
Eine königliche Fußnote
Das Ostufer bei Berg trägt eine der eigenartigeren historischen Fußnoten Bayerns. Am 13. Juni 1886 ging König Ludwig II. – wenige Tage zuvor entmündigt und auf Schloss Berg festgehalten – mit seinem Leibarzt am Ufer entlang und kehrte nicht zurück; beide wurden am Abend ertrunken im flachen Wasser gefunden, unter Umständen, die bis heute von Historikern diskutiert werden. Ein hölzernes Kreuz markiert die Stelle im Wasser noch heute, und die 1900 errichtete Votivkapelle steht in der Nähe am Ufer. Ein ruhiger, leicht unheimlicher Uferabschnitt, an dem man vorbeipaddelt, wenn man die Geschichte kennt – das Schloss selbst steht noch, nur etwas zurückgesetzt vom Wasser.
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