Updated August 09, 2026 Von Michael Schmidt

SUP Tegernsee: Paddeln im exklusivsten Seengebiet Bayerns

Sechs Uhr morgens am Tegernsee, und das Wasser macht genau das, was es kurz vor dem ersten Bootsverkehr immer tut — spiegelglatt, mit gerade so viel Dunst üb...

Sechs Uhr morgens am Tegernsee, und das Wasser macht genau das, was es kurz vor dem ersten Bootsverkehr immer tut — spiegelglatt, mit gerade so viel Dunst über dem Wallberg, dass die Villen am Ufer von Rottach-Egern zu schweben scheinen. Man paddelt an Bootshäusern vorbei, die mehr wert sind als die meisten Häuser, an einem Schwan, der sich seit zehn Minuten nicht bewegt hat, und es ist so still, dass man das Wasser vom eigenen Blatt tropfen hört. Genau deshalb fahren Leute eine Stunde von München aus südwärts zu einem See, der nicht mal der größte in der Umgebung ist.

Stand-up-Paddler auf dem ruhigen, blauen Wasser des Tegernsees

©Tatjana Medvedev/Unsplash

Der Tegernsee hat einen Ruf — altes Geld, königliche Geschichte, entsprechende Preise — und ein Teil davon stimmt tatsächlich. Aber das Paddeln selbst ist ungewöhnlich gut und ungewöhnlich gut geschützt. Hier ist, was man vor der ersten Tour wirklich wissen sollte.

Anreise von München

Die Fahrt ist für bayerische Verhältnisse kurz und fast komplett über die Autobahn.

EntfernungRund 54 km von der Münchner Innenstadt bis zum Ort Tegernsee
Fahrzeit45–50 Min. außerhalb der Stoßzeiten
RouteA8 Richtung Salzburg bis Ausfahrt Holzkirchen, dann B318/B307 Richtung Süden
SommerverkehrAn heißen Wochenenden 15–20 Min. einplanen — halb München hat dieselbe Idee

Rottach-Egern und Bad Wiessee liegen ein paar Kilometer weiter entlang der Uferstraße als der Ort Tegernsee selbst — plant also 10 Minuten mehr ein, wenn das euer Ziel ist.

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Wem der See eigentlich gehört

Diesen Teil lassen die meisten Reiseführer aus, dabei ist er wichtig, wenn ihr plant, wo ihr einsetzen wollt. Der Tegernsee selbst — das Wasser, nicht die Ufergrundstücke — gehört dem Freistaat Bayern und wird von der Bayerischen Schlösserverwaltung verwaltet, ein Erbe der königlichen und klösterlichen Geschichte des Sees: Das ehemalige Benediktinerkloster am Nordufer wurde zur Wittelsbacher Königsresidenz, und Schloss Tegernsee gehört bis heute der Familie Wittelsbach — der Seegrund selbst ist jedoch Staatseigentum, kein Privatbesitz.

Für Paddler ist das eine gute Nachricht in der Praxis. Anders als bei vielen oberbayerischen Seen, die von privaten Gärten bis zur Wasserlinie gesäumt sind, ist das Ufer des Tegernsees fast vollständig öffentlich zugänglich — eine direkte Folge des staatlichen Eigentums. Ihr braucht keine Erlaubnis, um auf dem Wasser zu sein, und betretet keinen Privatgrund, wenn ihr nah am Ufer paddelt. Einsetzen solltet ihr allerdings nur an den tatsächlichen öffentlichen Zugangsstellen, denn oberhalb der Wasserlinie bleibt privates Ufer trotzdem privat.

Wo man einsetzen kann

Jeder Ort am See hat mindestens eine öffentliche Stelle mit direktem Wasserzugang. Das sind die, die Paddler tatsächlich nutzen.

Tegernsee (Ort)Strandbad Tegernsee, freier Eintritt, flacher Grasstrand-Einstieg, Straßenparkplätze in der Nähe
Rottach-EgernFreie öffentliche Badestelle zwischen Tegernsee und Rottach-Egern, einfacher Uferzugang
GmundGrößerer gebührenpflichtiger Parkplatz nahe dem Bootsstart; Verleih und Kurse vor Ort
Bad WiesseeKostenlose Parkplätze beim Sailingcenter am Hotel Terrassenhof, kurzer Weg zum Wasser
Gut Kaltenbrunn (Westufer)Kostenlos, flach, familienfreundlicher Einstieg — gut zum Anfänger anlernen

Wer den ganzen See umrunden will statt hin- und zurückzupaddeln, sollte die Distanz einplanen: Die Uferlinie ist etwa 21 km lang, der See selbst erstreckt sich über 5,7 km. Eine komplette Umrundung ist eine echte Halbtagestour, kein Mittagspäuschen.

Ausrüstungs-Tipp: Auf einem so langen See zählt Spurtreue mehr als auf einer kurzen Teichrunde — eine Touring-Finne hält die Linie, damit ihr nicht bei jedem dritten Schlag korrigieren müsst. Touring Fin US Box.

Regeln auf dem Wasser

Der Tegernsee ist ein Arbeitssee — Fahrgastschiffe verkehren die ganze Saison —, deshalb gibt es ein paar Regeln, die dafür sorgen, dass sich alle aus dem Weg gehen, nicht um Paddler fernzuhalten.

SchutzzonenKein Anlanden oder Befahren der mit Bojen markierten Schutzgebiete, inklusive der Ringseeinsel — außerhalb der Bojenlinie bleiben
Schiffsanleger100 m Abstand zu Fahrgastschiff-Anlegern halten, März–November
VorfahrtFahrgastschiffe zuerst, dann Segelboote, dann alle anderen
DämmerungBeleuchtung nach Einbruch der Dämmerung Pflicht; Leash und Schwimmweste sind grundsätzlich empfehlenswert
Mehr dazu: Wenn der Tegernsee euer erster bayerischer Seeausflug ist, lohnt sich der Vergleich mit dem Rest der Region. → Top 7 SUP-Spots rund um München

Wasserqualität und Temperatur

Der Ruf als sauberer See ist kein Marketing. Der Tegernsee wird größtenteils von Gebirgsbächen gespeist, verfügt seit den 1960er-Jahren über eine Ringkanalisation, die Abwasser komplett vom See fernhält, und laut regionalen Wasserbehörden wird das gesamte Wasservolumen etwa alle 15 Monate vollständig ausgetauscht. In der regionalen Presse ist regelmäßig von nahezu Trinkwasserqualität die Rede, und der See speist über das Mangfalltal-System einen großen Teil der Münchner Trinkwasserversorgung. Die Badegewässer-Untersuchungen fallen an allen überwachten Stellen des Sees durchweg mit der Bestnote „ausgezeichnet" aus.

Die Temperatur folgt dem typischen Verlauf eines Alpensees — bis weit ins Frühjahr kalt, dann ein echter Lohn im Hochsommer.

Mai–JuniMittlere einstellige bis niedrige zweistellige °C — Neopren-Wetter
Juli–AugustRegelmäßig 20–22°C, bei Hitzeperioden bis zu 24°C
SeptemberKühlt schnell ab, an warmen Nachmittagen aber noch gut zum Baden

Tiefe, Größe — und was das aufs Wasser übersetzt

Auf 726 m über dem Meeresspiegel liegt der Tegernsee hoch genug, dass thermische Nachmittagswinde von den umliegenden Bergen ein echter Faktor sind, besonders bei Rottach-Egern, wo sich das Tal verengt. Der See ist 8,9 km² groß und erreicht eine maximale Tiefe von 72,6 m — tief genug, dass er praktisch nie komplett zufriert und in der Tiefe deutlich kälter bleibt, als es die Oberflächentemperatur vermuten lässt. Für das Paddeln im Alltag ändert das nichts, aber es erklärt, warum ein spiegelglatter Vormittag bis 14 Uhr in Wellengang umschlagen kann — checkt den Wind, nicht nur den Regen.

Bereit zum Losfahren

Der Tegernsee belohnt einen frühen Start — ruhiges Wasser, leere Einstiegsstellen und diese Villen-Spiegelungen, bevor die Tagesausflügler eintreffen. Nehmt ein Leash mit, checkt die Windvorhersage, bleibt bei den markierten öffentlichen Zugangsstellen — und ihr habt einen der saubersten und am besten geschützten Paddeltage Bayerns.

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Michael Schmidt

Eisbach Riders is a Munich-based surf and SUP brand, born at the Eisbach wave in the English Garden. We design fins, accessories, and gear for river surfers, SUP tourers, and anyone who paddles moving water — tested locally, built to last.