Von Michael Schmidt

Die besten Surfspots in Europa: Frankreich, Spanien und die Kanarischen Inseln

Portugal bekommt die meiste Aufmerksamkeit — und das zu Recht — aber es ist bei weitem nicht das einzige Surfziel, das einen Flug aus Mitteleuropa wert ist. Von den legendären Beachbreaks Südwestfrankreichs bis zu den ganzjährigen Swells der Kanarischen Inseln bietet Europas Atlantikküste mehr Vielfalt, als die meisten Surfer je erkunden. Hier sind die Spots, die auf deine Liste gehören.

Südwestfrankreich: Hossegor und die baskische Küste

Hossegor ist eines der bekanntesten Surfziele der Welt — und das aus gutem Grund. Die Beachbreaks hier — besonders La Gravière und Les Culs Nuls — produzieren einige der kraftvollsten und hohlsten Wellen Europas. Der Quiksilver Pro, eines der Highlight-Events der WSL Championship Tour, wird hier seit Jahrzehnten ausgetragen.

Das gesagt: Hossegor ist kein Anfängerziel. Der kraftvolle Shorebreak und starke Strömungen erfordern mindestens solide Mittelstufen-Skills. Wer noch Sicherheit aufbaut, findet in der nahegelegenen Stadt Seignosse und den sanfteren Breaks im Norden zugänglichere Bedingungen.

Beste Reisezeit: September und Oktober, wenn der Swell nach dem Sommer zunimmt und die Massen abnehmen. Juli und August sind voll, aber das Wasser ist warm und die Bedingungen für alle Level konstant genug.
Wassertemperatur: 20–22 °C im Sommer; sinkt auf 12–14 °C im Winter. Ein 3/2-mm-Anzug deckt die meiste Zeit des Jahres; 4/3 mm ab November.
Nächster Flughafen: Biarritz (15 Min. Fahrt) oder Bordeaux (1,5 Std.).

Biarritz

Nur 30 Minuten südlich von Hossegor ist Biarritz eine der ältesten Surfstädte Europas — das Surfen wurde hier in den 1950er Jahren vom Hollywood-Schauspieler Peter Viertel eingeführt. Die Breaks an der Grande Plage und an der Côte des Basques sind deutlich sanfter als in Hossegor und gut für Anfänger und Longboarder geeignet. Die Stadt selbst ist wunderschön — mit ausgezeichnetem Essen und entspannter Atmosphäre das ganze Jahr über.

Nordspanien: San Sebastián und das Baskenland

Über die Grenze nach Spanien wechselt die Küste von reinem Beachbreak zu einer dramatischeren Mischung aus Riffs und Points. San Sebastián (Donostia) ist das kulturelle Herz des Baskenlandes und eine der besten Essensstädte Europas — aber das Surfen drumherum ist von echter Weltklasse.

Mundaka ist das Highlight — eine linkshändige Flussmündungswelle, die bei richtigem Swell hunderte Meter schält und weithin als eine der besten Wellen Europas gilt. Sie bricht auf einer Sandbank und kann bei stimmigen Bedingungen lange, hohle Rides liefern. Nichts für Anfänger — aber von der Seemauer im Dorf zuzuschauen ist schon ein Erlebnis für sich.

Für Anfänger und Fortgeschrittene bietet Zarautz (30 Minuten von San Sebastián) lange, konstante Beachbreaks und eine gut etablierte Surfschulszene.

Beste Reisezeit: September bis November für das beste Swell-zu-Crowd-Verhältnis.
Wassertemperatur: 18–20 °C im Sommer; 12–14 °C im Winter. 3/2 mm von April bis Oktober, 4/3 mm den Rest des Jahres.
Nächster Flughafen: San Sebastián oder Bilbao (1 Std. Fahrt).

Kanarische Inseln: Swell das ganze Jahr

Wenn du als mitteleuropäischer Surfer im Februar surfen möchtest, sind die Kanarischen Inseln die Antwort. Vor der Nordwestküste Afrikas gelegen, liegen sie ganzjährig im Weg nordatlantischer Swells und haben selten die flachen, windstillen Bedingungen, die europäische Festlandsommer plagen.

Fuerteventura

Die windigste der Kanaren und die Surfhauptstadt des Archipels. Der Norden der Insel nimmt fast jeden atlantischen Swell auf; der Süden bleibt ruhiger und beständiger für Anfänger. Corralejo im Norden beherbergt eine Anhäufung weltklässiger Riff-Breaks einschließlich El Hierro und La Piedra — mit einer lebhaften Stadt voller Surfshops, Schulen und Unterkünfte. Sotavento im Süden ist ein langer, sanfter Beachbreak, ideal für aufstrebende Surfer.

Beste Reisezeit: Oktober bis März für den besten Swell; Juni bis August für flachere, anfängerfreundlichere Bedingungen.
Wassertemperatur: 18–22 °C das ganze Jahr. Ein 2/2-mm- oder 3/2-mm-Anzug reicht aus.

Lanzarote

Dramatischer und weniger überlaufen als Fuerteventura. La Santa an der Westküste beherbergt einen legendären Big-Wave-Spot (La Santa Right) und mehrere weitere ausgezeichnete Breaks in kurzer Fahrtweite. Die Vulkanlandschaft ist einzigartig in Europa. Der Club La Santa Sportkomplex macht die Insel zu einem beliebten Ziel für ernsthafte Trainingscamps in der Nebensaison.

Teneriffa

Weniger bekannt für Surfen als Fuerteventura oder Lanzarote, aber Playa de las Americas im Süden hat konstante Beachbreaks für Anfänger, und die Nordwestküste rund um El Médano nimmt bei der richtigen Windrichtung Swell auf. Besser als kombinierten Surf-und-Sonne-Urlaub geeignet als als dedizierter Surftrip.

Nächster Flughafen für Fuerteventura/Lanzarote: Direktflüge aus München, Frankfurt und den meisten großen deutschen Flughäfen.

Packliste für einen europäischen Surftrip

Für alle oben genannten Ziele gilt: Die richtige Ausrüstung macht den Trip.

  • Board: An den meisten Zielen ist Verleih verfügbar, aber wer mit dem eigenen Board reist, braucht eine gepolsterte Boardtasche. Vorher die Gepäckgebühren der Airline prüfen.
  • Neoprenanzug: Dicke an Ziel und Jahreszeit anpassen (siehe Temperaturen oben). Immer eine Neoprenbeutel für den Rest des Gepäcks einpacken.
  • Finnen und Finnenschlüssel: Finnen gehen beim Transport häufig verloren oder werden beschädigt. Wenn möglich im Handgepäck transportieren. Ein Finnenschlüssel wiegt nichts und rettet dich, wenn eine Schraube am Strand locker geht.
  • Leash: Eine Reserve mitbringen. Leashes reißen immer im ungünstigsten Moment.
  • Wachs und Wachskamm: Vor Ort leicht zu kaufen, aber beim Ankommen praktisch dabei zu haben.
  • Sonnenschutz: Hoher LSF, Riff-sicherer Sonnenschutz für lange Sessions in der starken Atlantiksonne.

Eine ausführliche Packliste findest du in unserem Surftrip-Packführer.